Gestriges Bürgerpodium zur Zukunft der Kindergärten: Gute Betreuung sichern und die Stadt handlungsfähig halten

Rund 120 Bürgerinnen und Bürger kamen am 3. November 2026 auf Einladung der Stadtverwaltung Saalburg-Ebersdorf im Bürgerhaus zusammen, um über die Zukunft der 4 Kindertageseinrichtungen zu sprechen. Der Abend machte deutlich, wie eng die Menschen mit ihren Einrichtungen verbunden sind – und wie anspruchsvoll es ist, pädagogische Qualität, unterschiedliche Betreuungsbedarfe, sinkende Kinderzahlen und die finanziellen Möglichkeiten der Stadt dauerhaft miteinander zu vereinbaren.

 

Ausgangssituation und Handlungsbedarf

Stadtrat Christian Fischer eröffnete das Bürgerpodium gegen 18 Uhr. Er erläuterte das Anliegen des Stadtrates, die Meinungen, Wünsche und Argumente der Bürgerschaft zu hören und für die anstehenden Abwägungen zusammenzutragen. Die Veranstaltung sollte dazu beitragen, die Entscheidungsgrundlage zu verbreitern und die Erfahrungen der Menschen vor Ort einzubeziehen.

 

Anschließend stellte Bürgermeister Carsten Hahn in einer Präsentation die Problemstellung vor. Die zentrale Herausforderung sei der Rückgang der Geburtenzahlen und der damit verbundene sinkende Bedarf an Betreuungsplätzen. Deshalb müsse die Stadt prüfen, wie Umfang und Struktur des vorhandenen Betreuungsangebots an den künftigen Bedarf angepasst werden können. Eine Standortschließung sei dabei kein Selbstzweck. Ziel sei, eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung langfristig zu sichern.

Die erheblich angespannte Haushaltssituation stelle eine zusätzliche Herausforderung dar. Der Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen und die hohen Belastungen durch die Kreisumlage begrenzten die finanziellen Handlungsspielräume der Stadt weiter. Neben der Anpassung des Betreuungsangebots an die demografische Entwicklung müsse die Stadt daher in sämtlichen Aufgabenbereichen Einsparpotenziale prüfen, um ihre Leistungsfähigkeit und die dauerhafte Erfüllung ihrer Aufgaben zu sichern.

 

Bürgermeister Carsten Hahn richtete den Blick zugleich auf die langfristige Entwicklung Saalburg-Ebersdorfs. Neben notwendigen Einsparungen brauche es Perspektiven für Wachstum: durch die Entwicklung von Bauland, den Zuzug junger Familien und die Ansiedlung von Unternehmen. Haushaltskonsolidierung und Zukunftsgestaltung müssten gemeinsam gedacht werden.

 

Sachliche Diskussion und unterschiedliche Perspektiven

Als externer Moderator führte der Gefeller Bürgermeister Marcel Zapf durch die Veranstaltung. Er erläuterte den Ablauf und die Gesprächsregeln und betonte seine neutrale Rolle. Zugleich warb er um Verständnis dafür, dass die Suche nach tragfähigen Lösungen für Stadtrat, Bürgermeister und Verwaltung mit schwierigen Abwägungen verbunden sei.

 

Die anschließenden Wortmeldungen wurden sachlich vorgetragen und lieferten wertvolle Hinweise für die weitere Entscheidungsfindung. Eltern, Mitarbeitende, Vertreter der Diakonie und weitere Beteiligte schilderten unterschiedliche Erfahrungen und Standpunkte. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung der integrativen Betreuung im Kindergarten „Gottesschutz“. Persönliche Berichte verdeutlichten, welchen Stellenwert spezialisierte Förderung, vertraute Bezugspersonen und die Begleitung von Familien haben. Auch eine Schulleiterin aus Lobenstein unterstrich die Wichtigkeit eines solchen Standorts für Ebersdorf.

Daneben wurden Kostenansätze und Einsparberechnungen hinterfragt, transparente Vergleichsmaßstäbe gefordert und die Vorzüge der einzelnen Einrichtungen dargestellt. Beiträge zu den kommunalen Kindergärten ergänzten die Diskussion um deren Entwicklungsmöglichkeiten und die Erfahrungen mit früheren Veränderungen der Betreuungsstruktur. Aus den Wohlfahrtsverbänden kam das Angebot, gemeinsam mit dem Landkreis eine Bewertungsgrundlage zu erarbeiten. Die Wortmeldungen machten deutlich, welche fachlichen, sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte in die weitere Prüfung einfließen müssen.

Verantwortung für die gesamte Stadt

 

Zum Ende der rund zweistündigen Aussprache ergriff Stadtrat Silvio Wenzel das Wort. Er warb um Verständnis für die Verantwortung der kommunalen Entscheidungsträger gegenüber der gesamten Bürgerschaft. Die persönliche Verbundenheit mit einem Kindergarten und die Sorgen der betroffenen Familien hätten großes Gewicht. Zugleich seien Stadtrat, Bürgermeister und Verwaltung an gesetzliche Vorgaben gebunden und müssten die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt sowie die dauerhafte Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben sichern.

Diese Verantwortung umfasse insbesondere die Kinderbetreuung, Gefahrenabwehr, Brandschutz, die Unterhaltung kommunaler Infrastruktur, den Winterdienst und vieles mehr. All diese Aufgaben müssten verlässlich bewältigt werden. Die emotionale Tragweite möglicher Veränderungen sei den Verantwortlichen bewusst; sie entbinde jedoch nicht von der Pflicht, notwendige Entscheidungen zu treffen.

In seinen abschließenden Worten berichtete Marcel Zapf von den Erfahrungen der Stadt Gefell, die sich nach seinen Angaben seit 14 Jahren in der Haushaltskonsolidierung befindet. Er schilderte enge finanzielle Vorgaben und erheblich eingeschränkte Spielräume für freiwillige Leistungen. 

Seine Botschaft: Kommunen sollten frühzeitig handeln, solange sie die Ausgestaltung notwendiger Veränderungen noch möglichst weitgehend selbst bestimmen können. Unter verschärften haushaltsrechtlichen Vorgaben könnten Entscheidungen erforderlich werden, bei denen die örtlichen Gestaltungsmöglichkeiten deutlich geringer seien.

 

Auch die Finanzierung der Kindertagesbetreuung durch das Land wurde angesprochen. Zapf warnte davor, aus bestehenden Fördermöglichkeiten auf eine vollständige Entlastung der Kommunen zu schließen. Nach seiner Erfahrung verblieben erhebliche ungedeckte Kosten; Kürzungen und wegfallende Zuschüsse könnten die Belastung zusätzlich erhöhen. Kindertageseinrichtungen gehörten weiterhin zu den Bereichen mit besonders hohem kommunalem Zuschussbedarf.

Die Stadt Saalburg-Ebersdorf teilt die Sorge um eine verlässliche Finanzierung kommunaler Aufgaben. Aus ihrer Sicht besteht seit Jahren eine Lücke zwischen den Anforderungen, die an die Gemeinden gestellt werden, und den dafür verfügbaren Mitteln. Die Frage einer auskömmlichen Finanzierung wird deshalb regelmäßig über den Gemeinde- und Städtebund gegenüber der Landespolitik angesprochen.

 

Standortstruktur und Trägerschaft werden getrennt geprüft

Für die weitere Diskussion ist der Stadt eine Unterscheidung besonders wichtig: Die künftige Standortstruktur und die Frage der Trägerschaft müssen jeweils sorgfältig geprüft werden. Für die Zeit nach Ablauf des bestehenden Betreibervertrags ist zu klären, in welcher organisatorischen Form die Betreuung fortgeführt werden kann. Dabei stehen sowohl kommunale Lösungen als auch eine erneute Übertragung an einen geeigneten Träger zur Prüfung.

Bei einer externen Übertragung sind die einschlägigen vergabe- und jugendhilferechtlichen Vorgaben zu beachten. Ein erforderliches Vergabe- oder Auswahlverfahren muss transparent und anhand nachvollziehbarer Kriterien gestaltet werden. Ein solches Verfahren legt weder einen Wechsel des Trägers noch die Schließung eines Standorts oder das Ende integrativer Angebote vorab fest. Bestehende Konzepte, gewachsene Beziehungen und besondere Förderbedarfe müssen bei der Bewertung möglicher Lösungen berücksichtigt werden.

 

Bürgermeister, Stadtrat und Stadtverwaltung versichern, dass sie sich diese Entscheidungen nicht leicht machen. In die Vorbereitung sind nach Angaben der Verwaltung bereits mehrere hundert Arbeitsstunden geflossen: in die Aufarbeitung von Zahlen, rechtliche Prüfungen und Abwägungen sowie Gespräche mit der Diakonie, den Kindertageseinrichtungen, dem Landratsamt und anderen Kommunen. Die beim Bürgerpodium vorgetragenen Argumente ergänzen diese Arbeit um wichtige Erfahrungen und Anliegen aus der Bürgerschaft.

 

Gemeinsames Ziel: Gute Betreuung und eine handlungsfähige Kommune

Die Stadt bittet darum, den weiteren Prozess kritisch, respektvoll und konstruktiv zu begleiten. Die Sorgen um vertraute Einrichtungen verdienen ebenso Gehör wie die Verantwortung für eine dauerhaft handlungsfähige Kommune.

 

Das gemeinsame Ziel ist eine Stadt, in der Kinder gut aufwachsen können und öffentliche Leistungen verlässlich bleiben. Dafür braucht es tragfähige Entscheidungen, die pädagogische Qualität, soziale Verantwortung und finanzielle Möglichkeiten zusammenführen. Die Argumente der Bürgerschaft haben dabei Gewicht. Verantwortung bedeutet, sie ernst zu nehmen und zugleich den Blick auf die Zukunft ganz Saalburg-Ebersdorfs zu richten.

Bürgermeister, Stadtrat und Stadtverwaltung danken allen Bürgerinnen und Bürgern für ihre Teilnahme, die sachlichen Wortmeldungen und das Engagement für die Zukunft der Stadt. Ein besonderer Dank gilt Bürgermeister Marcel Zapf, der die neutrale Moderation übernommen und mit seinen Erfahrungen aus Gefell wichtige Einblicke in die Herausforderungen kommunaler Haushaltskonsolidierung gegeben hat. Den Städten Gefell und Hirschberg wünscht Saalburg-Ebersdorf für den angestrebten Zusammenschluss viel Erfolg und alles Gute für ihre gemeinsame Zukunft.

 

 

Foto und Text: Sebastian Börner/ Stadtverwaltung Saalburg-Ebersdorf

 

Kontakt für Rückfragen:

 

Stadt Saalburg-Ebersdorf
Sebastian Börner
0151-19538082

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Saalburg-Ebersdorf
Mi, 04. November 2026

Bild zur Meldung

Weitere Meldungen

Eingeschränkte Erreichbarkeit des Bauhofes am 05.11.2026

Aufgrund einer Schulung sind die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes am 5. November 2026 nur ...

Gemeinsam für den Schlosspark Ebersdorf: 18 Helfer engagieren sich beim Arbeitseinsatz