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Wenn Technik im Ernstfall den Überblick behält: Drohneneinsatz regionalen Ursprungs sorgte für mehr Sicherheit beim Sonne, Mond & Sterne Festival

30 Jahre Festivalgeschichte haben ihre Spuren hinterlassen: Was einst als kleine Veranstaltung begann, ist längst zu einem Festival der Superlative gewachsen. Bis zu 38.000 Menschen kommen mittlerweile jährlich auf unser städtisches Sonne, Mond & Sterne Festival und machen die Veranstaltung zu einem Großereignis, das auch die Anforderungen an Verkehrslenkung, Brandschutz und allgemeine Sicherheit deutlich verändert hat.

 

Mit der Größe des Festivals wachsen auch die Flächen. Besonders der Campingplatz hat sich über die Jahre ausgedehnt. Gleichzeitig stellen heiße und trockene Sommer die Verantwortlichen vor neue Herausforderungen. Temperaturen von 35 Grad und mehr sind längst keine Ausnahme mehr. Wenn dann zusätzlich eine hohe Waldbrandgefahr besteht -wie in diesem Jahr- wird die Überwachung des weitläufigen Geländes zu einer Aufgabe, die mit herkömmlichen Mitteln nur mit erheblichem Personaleinsatz zu bewältigen ist.

 

Beim vergangenen Festival wurde deshalb erstmals ein besonderes Pilotprojekt umgesetzt. Gemeinsam mit der in Saalburg-Ebersdorf ansässigen Firma Spleenlab kamen Drohnen zum Einsatz, die die FÜGK und die zuständigen Behörden, zusätzlich zur Drohne der Feuerwehr aus Gefell,  während des Festivals unterstützten. Anlass war vor allem der Hauptanreisetag am Mittwoch, an dem große Mengen an Fahrzeugen gleichzeitig auf das Festivalgelände und die umliegenden Verkehrswege treffen. Darüber hinaus lag ein weiterer Schwerpunkt auf der Überwachung der Brandlage und möglicher Gefahren während der Veranstaltung.

 

Zum Einsatz kamen verschiedene Drohnen inklusive der dazugehörigen Piloten. Für die Stadt war das Pilotprojekt aus mehreren Gründen interessant: Zum einen konnte mit Spleenlab ein Unternehmen aus der Region gewonnen werden, das über umfangreiche Erfahrung mit Drohnentechnologie verfügt. Zum anderen zeigte der Einsatz sehr deutlich, welche Möglichkeiten moderne Systeme bieten, wenn praktische Anwendungen und Technologien miteinander verbunden werden.

 

Im persönlichen Gespräch erläuterte Jan Hartmann von Spleenlab, welchen Stellenwert das Projekt für das Unternehmen hat. Gerade die regionale Verbundenheit sei ein wichtiger Grund dafür gewesen, sich an dem Festival zu beteiligen. Das Festival liege dem Unternehmen sehr am Herzen. Gleichzeitig biete ein realer Großeinsatz eine Möglichkeit, Technologien unter Bedingungen zu erproben, die sich in einem theoretischen Szenario nur schwer nachbilden lassen.

Schon am Mittwoch zeigte sich, welchen zusätzlichen Nutzen die Drohnen liefern können. Eine der größten Herausforderungen am Hauptanreisetag ist die schiere Menge an Fahrzeugen. Autos, Wohnwagen, Transporter und weitere Fahrzeuge bewegen sich gleichzeitig auf einem großen Areal. Für Menschen am Boden ist es kaum möglich, eine solche Fläche permanent und vollständig im Blick zu behalten.

Die Drohnen liefern dagegen hochauflösende Luftbilder und ermöglichen damit einen Überblick über Bereiche, die vom Boden aus nur schwer gleichzeitig beobachtet werden können. Besonders interessant ist dabei nicht allein die Qualität der Aufnahmen. Ein wesentlicher Bestandteil der eingesetzten Technologie ist die softwaregestützte Auswertung der Bilder.

 

Über entsprechende Suchbegriffe beziehungsweise definierte Erkennungskriterien können die Systeme Auffälligkeiten selbstständig hervorheben. So lassen sich beispielsweise Verkehrsaufkommen, mögliche Stauentwicklungen, liegengebliebene Fahrzeuge oder Unfälle frühzeitig erkennen. Auch die Erfassung und Zählung von Pkw, Wohnwagen und Transportern kann innerhalb kurzer Zeit erfolgen und ausgewertet werden. Selbstverständlich ist auch der Datenschutz ein wichtiger Bestandteil des Einsatzes: Die Sichtung und Auswertung der Aufnahmen ist ausschließlich einem vorab festgelegten, streng begrenzten Personenkreis vorbehalten, sodass sichergestellt ist, dass das Bildmaterial nicht über den für den Einsatz notwendigen Rahmen hinaus zugänglich ist.

 

Für die Einsatzkräfte bedeutet das einen entscheidenden Vorteil: Statt große Mengen an Bildmaterial vollständig manuell auswerten zu müssen, können relevante Situationen gezielt auf den Bildschirmen angezeigt und anschließend durch einen Menschen bewertet werden.

Gerade bei sicherheitsrelevanten Situationen ist dieser letzte Schritt entscheidend. Die Technik unterstützt die Einsatzkräfte bei der Beobachtung und Auswertung – die Entscheidung darüber, ob und wie reagiert wird, bleibt beim Menschen.

Besonders deutlich wurde der praktische Nutzen bei der Kontrolle von Rettungswegen. Fahrzeuge, die an nicht dafür vorgesehenen Stellen abgestellt waren und dadurch die Zugänglichkeit wichtiger Wege gefährdeten, konnten aus der Luft schnell identifiziert werden.

Was bei einer Kontrolle zu Fuß einen erheblichen Zeit- und Personalaufwand verursachen würde, lässt sich aus der Luft großflächig erfassen. Die entsprechenden Informationen können anschließend an die zuständigen Kräfte weitergegeben werden, die vor Ort für die Beseitigung des Problems sorgen.

Damit geht es bei der Drohnentechnologie nicht darum, Personal zu ersetzen. Vielmehr kann sie dabei helfen, vorhandene Einsatzkräfte gezielter einzusetzen und ihnen schneller einen Überblick über die tatsächliche Lage zu verschaffen.

 

Eine weitere wichtige Aufgabe ergab sich durch die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen. Bereits am Donnerstag vor dem Festival wurde die Waldbrandstufe 4 ausgerufen. Damit verbunden war unter anderem ein Waldbetretungsverbot.

Für die Verantwortlichen bedeutet eine solche Situation zusätzliche Kontrollaufgaben. Gerade auf einem großen Campingplatz mit vielen Menschen ist es schwierig, jeden Bereich permanent durch Personal überwachen zu lassen.

Auch hier zeigte sich das Potenzial der eingesetzten Drohnentechnik. Die Systeme können anhand definierter Kriterien beispielsweise nach Rauchentwicklungen oder Feuer suchen. Selbst kleinste Auffälligkeiten können dabei zunächst als Hinweis ausgegeben werden. Die Systeme sind bewusst sensibel eingestellt, sodass nicht nur eindeutig erkennbarer Rauch, sondern auch Situationen erkannt werden können, die einem entsprechenden Muster ähneln.

Das ist gleichzeitig ein Beispiel dafür, warum die Technik die menschliche Bewertung nicht ersetzt.

 

Auf dem trockenen Campinggelände kann bereits aufgewirbelter Staub auf den Bildern eine Erscheinung erzeugen, die einem Rauchbild ähnelt. Die Software meldet einen entsprechenden Treffer – anschließend muss ein Mensch beurteilen, was tatsächlich auf dem Bild zu sehen ist und ob ein Einschreiten notwendig ist.

Wie wichtig diese Kombination aus automatisierter Erkennung und menschlicher Kontrolle sein kann, zeigte ein konkreter Fall während des Festivals. Camper hatten einen Grill zu nah am installierten Waldschutzzaun aufgestellt. Durch die Luftüberwachung konnte die Situation frühzeitig erkannt werden. Die Security konnte entsprechend reagieren und die Situation entschärfen, bevor daraus ein größeres Problem entstand.

Gerade bei hoher Waldbrandgefahr können solche scheinbar kleinen Situationen entscheidend sein. Ein Feuer, das rechtzeitig bemerkt und unterbunden wird, entwickelt sich gar nicht erst zu einem Einsatz.

 

Für Spleenlab war das Pilotprojekt jedoch nicht ausschließlich eine Unterstützung des Festivals. Auch für das Unternehmen selbst bot der Einsatz einen erheblichen Mehrwert.

Jan Hartmann betonte, wie wichtig es für die Entwickler und Spezialisten sei, die Systeme in realen Einsatzszenarien zu erleben. Während sich viele Situationen theoretisch planen lassen, zeigen erst tatsächliche Einsätze, an welchen Stellen eine Software besonders gut funktioniert und wo sich noch Verbesserungspotenzial ergibt.

Gerade die Arbeit mit den Einsatzkräften vor Ort liefere dabei wertvolle Erkenntnisse. Welche Informationen werden tatsächlich benötigt? Welche Situationen müssen besonders schnell erkannt werden? Wo entstehen möglicherweise Lücken in der automatisierten Auswertung?

Aus diesen Erfahrungen ergeben sich bereits Ideen für zukünftige Einsätze. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, detaillierte Lagepläne des Festivalgeländes direkt in die Software einzubinden. Dadurch könnte die Zuordnung der aufgenommenen Bilder noch genauer erfolgen. Überschneidungen zwischen einzelnen Aufnahmen ließen sich besser vermeiden, während gleichzeitig eine präzisere Auswertung der Bewegungen auf dem Gelände möglich wäre.

 

Damit könnten nicht nur Fahrzeuge, sondern perspektivisch auch die Anzahl und Verteilung von Menschen zu unterschiedlichen Zeitpunkten noch genauer erfasst werden. Die daraus gewonnenen Daten könnten anschließend beispielsweise in Statistiken zu den einzelnen Festivaltagen einfließen.

 

Dass ein solches Projekt auch für die FÜGK inspirierend sein kann, machte Jan Hartmann im Gespräch deutlich. Der reale Einsatz habe zahlreiche neue Ideen hervorgebracht, an welchen Stellen die Technologie beim nächsten Festival noch stärker unterstützen könnte.

Genau darin liegt eine der großen Stärken eines solchen Pilotprojekts: Es geht nicht darum, am ersten Einsatz bereits die endgültige Lösung gefunden zu haben. Vielmehr geht es darum, gemeinsam Erfahrungen zu sammeln, Abläufe zu testen und herauszufinden, wie moderne Technik sinnvoll in bestehende Sicherheitsstrukturen integriert werden kann.

 

Für die Stadt ist es deshalb ein großer Gewinn, mit Spleenlab ein regional ansässiges Unternehmen an der Seite zu haben, das bereit ist, seine Technologie in den Dienst der Sicherheit zu stellen und gemeinsam mit den Behörden an praxisnahen Lösungen zu arbeiten.

Bis zu vier Mitarbeiter waren zeitweise gleichzeitig im Einsatz und sorgten dafür, dass die technischen Möglichkeiten auch entsprechend professionell genutzt und ausgewertet werden konnten. Die Kombination aus erfahrenen Drohnenpiloten, moderner Kameratechnik, automatisierter Bildauswertung und der anschließenden menschlichen Bewertung hat dabei eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in einer solchen Zusammenarbeit steckt.

 

Unser Dank gilt deshalb Jan Hartmann und dem gesamten Team von Spleenlab für die Unterstützung, die hohe Professionalität und die Bereitschaft, dieses Pilotprojekt gemeinsam mit allen weiteren sicherheitsrelevanten Organisationen umzusetzen.

Und nicht zuletzt sind durch den Drohneneinsatz auch beeindruckende Luftbilder entstanden, die einen ganz besonderen Blick auf unser Festival ermöglichen. Sie zeigen nicht nur die Dimension der Veranstaltung, sondern erinnern auch daran, wie sehr sich das Festival in drei Jahrzehnten verändert hat.

 

Wir freuen uns schon jetzt auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit im kommenden Jahr – und auf die vielen Ideen, die bis dahin aus den Erfahrungen dieses ersten gemeinsamen Einsatzes entstehen werden.

 

Text und Foto: Linda Richter/ Stadtverwaltung Saalburg-Ebersdorf

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Veröffentlichung

Saalburg-Ebersdorf
Fr, 21. August 2026

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